Am 20. September 2019 fanden sich 270.000 Menschen in Berlin zur FFF ein, 1,4 Millionen Menschen waren es in der gesamten Bundesrepublik! Das ist wunderbar und doch einfach nur nötig, um endlich die Politik auf die Sicht der Bürger*innen aufmerksam zu machen und ihnen Respekt vor der Meinung der Bevölkerung mit auf den Weg zu geben. Es tut gut zu sehen, wie viele Menschen sich aktiv einzumischen gedenken. Wie viele etwas zu sagen haben und nun aktiv werden.

Im Anschluss daran fanden sich spontan etwa 20 Menschen in der Brüsseler Straße ein und verwandelten freie Autoparkplätze in Orte der Begegnung, um mit Passanten ins Gespräch zu kommen und die Raumverteilung auf den Straßen mit ihnen zu besprechen. Nicht zuletzt für Kinder brauchen wir Platz zum Sein und Luft zum Atmen. Seltener, weniger und langsamer mit den Autos zu fahren, würde allen gut tun! (Schon täglich 30 Minuten zu Fuß zu gehen, stärkt die Gesundheit derart, dass die Lebenserwartung ansteigt.)

Kurzer Hand wurden Zimmerpflanzen, Couchtische und Liegestühle geholt und in freie Parklücken gestellt und Popcorn vom Küchenfahrrad aus verschenkt. Wir, die sich spontan zusammengefunden hatten, gingen auf die Anwohner*innen zu, diese stellten uns ihre Fragen. Es war eine schöne Aktion! Viele Begegnungen und kleine Gespräche konnten stattfinden. Gemütlich und beschaulich verlief dann dieser Nachmittag.  

Bis dann kam, was wohl kommen musste: blaues Licht blitzte auf und blaue Autos stellten sich neben die Oasen der Möglichkeiten. Zunächst nur vier kleine, später noch fünf(!) große Mannschaftswagen!

Nein, sie wollten kein Popcorn, sondern die Personalien und dass die Fahrbahn geräumt wird. Fahrbahn?! Wir stehen auf einem Park-Platz! Das Küchenfahrrad stünde nicht platzsparend, von der Tafelkreide (mit der Kinder die grauen Steine bemalt hatten), ginge eine Gefahr aus, Widerworte seinen Widerstand. Uiii, das wollten wir gar nicht. Wir wollten doch nur mit Anwohner*innen sprechen, auf Platzmangel und Fehlplanungen hinweisen. Die Polizisten erklärten uns alles sehr freundlich. Auf vier Parkplätzen leider vier Mal (etliche Fragen). Das muss man ihnen lassen, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zeigten sie sich sehr geduldig und erklärten alles wieder und wieder freundlich. Respekt!

Doch zeitgleich ereignete sich ein kleines Wunder, das blaue Wunder vom Brüsseler Kiez. Denn als die fünf(!) Mannschaftswagen in die Brüsseler Straße einbogen, wurden die Anwohner*innen aufmerksam. Sie wurden neugierig und kamen hinzu und ließen uns ihre Solidarität spüren. Sie hörten sich alles an und stellten dann den Polizisten ihre Fragen: „Wat! Die sollen jehn?! Aba die Falschparker daneben, können stehn bleiben? Oder wat! Wat is’n dit?!“ „Dit jibt it nisch!“ Und Chez Charly schenkte uns allen einen Kaffee. Es stellte sich heraus, seit Jahren sind die Kiezbewohner*innen genervt von den Falschparkern, von den rücksichtslosen Menschen, die den Fußgängern die Übergänge versperren. Und in ihren Augen könnten Polizei und Ordnungsamt deutlich mehr dagegen tun. Sie fühlen sich mit den Problemen im öffentlichen Raum alleine gelassen. Menschen mit Behinderungen, Senioren, eigentlich alle, die die Straßen queren wollen, sind stark beeinträchtigt von den vielen Autos, die viel zu schnell fahren. Sei es nun, dass die Kreuzungsbereiche zugeparkt sind, oder dass die Autos in zweiter Spur abgestellt werden. Die Menschen selbst haben hier keinen Platz mehr, finden keine Ruhe mehr, sind ständig auf dem Sprung. Kinder kann man nicht mehr alleine raus lassen. Die Anwohner*innen sind genervt von Autofahrern und von der Masse dieser Rücksichtslosigkeiten. Unser Nachmittag scheint nur deshalb so ruhig verlaufen zu sein, weil die Kiezbewohner*innen die Aktion gut fanden! Und ohne das Blaulicht, wäre das nie sichtbar geworden. Wow! Danke an die Nachbarschaft! Danke für den Kaffee und für die Solidarität! Ein guter Tag!


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